Was Liebe ist

On 9. Juli 2016 by admin

P1010930Jetzt ist es raus, Forscher der University of Carlifornia  haben die Formel gelöst und wir dürfen getrost die kitschigen „Liebe ist …“-Cartoons vergessen, die uns über Jahrzehnte aus Zeitschriften entgegengrinsten. Ich will niemanden unnötig auf die Folter spannen:

Liebe=Sexualität+Bindung+Fürsorge

Da ist was dran.

Ohne Frage muss eine Anziehung zwischen zwei Leuten bestehen, dass sie aufeinander aufmerksam werden. Hormongesteuert zieht es uns zueinander hin. Angeblich ist ja der Geruch ganz entscheidend bei der Vorauswahl unter potenziellen Partnern. Über Körpergeruch kann die Immunlage des Gegenübers abgecheckt werden, ob man genetisch zueinander passt. Ich will das mal glauben. Die anderen Sinnesreize, die man zusätzlich vom Gegenüber empfängt, hätte ich aber auch gern an dieser Stelle vermerkt, die Blicke, die zugeneigte Körpersprache, die fühlbare Nähe, die Stimme, die Hände, die Lippen, der ganze Mensch. Aber gut, der Geruch. Wenn der Sex in einer Beziehung fehlt, mangelt es im unmittelbarstem Sinne an Berührungspunkten. Eine Ferne und Kälte stellt sich ein, die nur mühsam durch Anderes überbrückt werden kann.

Kommen wir zum zweiten Bestandteil der Liebe, der Bindung. Wenn die körperliche Nähe da ist und glückt, ist die Bindung gleich um die Ecke. Wohl fühlen, sich geborgen fühlen, sich verstanden und gut aufgehoben fühlen, vertrauen und anvertrauen können – wenn der Andere dies hervorbringt, dann wird er zu jemand Besonderes und einzigartig. Mit allen Gemeinsamkeiten, aber auch den Unterschieden und nötigen Freiräumen, nimmt man sich an und lässt sich gelten. Wenn beide so fühlen, so hat sich ein Paar zusammengefunden. Man wird sich gegenseitig emotionaler Anker. Diese Bindung ist so wichtig, sagt Wolfgang Krüger, weil wir dadurch von unserer Einsamkeit erlöst werden.

Bleibt noch die Fürsorge. Man kümmert sich umeinander, hilft und stützt sich, ermutigt, packt mit an. Weil man selbstverständlich will, dass es dem Anderen gut geht. Natürlich. Zusammen ergibt das eine glückliche Partnerschaft, mir fiele nichts ein, das fehlt.

Die drei Bestandteile von Liebe sind gar nicht scharf voneinander abzugrenzen, scheint mir. Vielmehr erscheinen sie wie ein Endloskreis der sich immer wieder aufs Neue verstärkt und befruchtet. Ein Endlosmotor. Wie ist es möglich, dass bei so einer lückenlosen, todsicheren Kiste die Liebe stirbt?

Antje Ortmann

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