Das Gänseblümchen-Imperium schlägt zurück

On 9. Juni 2013 by admin

09.06. 2013

P1010039Im letzten Jahr beschwerte sich Söhnchen bei mir, dass auf unserem Rasen kein einziges Gänseblümchen zu finden sei. Noch nicht mal auf dem vollsonnigen Teil im Vorgarten. Auf dem nachbarlichen Grün dagegen alles voll von den kleinen Zwergen. Unbestimmte Gefühle der Empörung und Zurücksetzung trieben Söhnchen zur Tat: Ich berichtete schon von der letztjährigen Aktion, das wilde Tausendschönchen bei uns auf Grünland einzubürgern.

Der Winter, der folgte, war lang. So lang, dass die kindliche Aufmerksamkeit erlahmte und sich Anderem zuwandte. Mein Söhnchen entdeckte beispielsweise, dass die Nachbarn ebenso in Moos schwelgen. Für diese Pflanzenfamilie also schlägt das Herz meines eigenwilligen Kindes dieses Jahr. Wer kann es ihm verübeln.

Moos ist so schön weich. Das Kinderauge erfreut sich außerdem an der sattgrünen Farbe und der Vitalität: der gehätschelte Moosflecken in einem eigens konstruierten Mini-Treibhaus wuchs in den letzten Wochen ganz ordentlich heran.

P1010035Meinen  Zwölfjährigen sehe ich nun häufig über sein Moosschälchen gebeugt, in der Hand eine blaue Mini-Gießkanne.

Die Mooszucht ist eine Wissenschaft, die ich selbst nicht recht durchdringe. Der echte Mooskenner aber weiß, dass die Angelegenheit sehr diffiziel ist, dabei aber sehr viel Freude macht.

P1010036Die Bewässerung erfolgt bei uns über einen Kronkorken, nachdem das Treibhausdach zur Seite geschwenkt worden ist. Nun ist auch die Gelegenheit gegeben, dem Teppich mit einer kleinen Schere an unordentlichen Stellen zu beschneiden. Das Ergebnis ist um so prächtigerer Wuchs, erklärte mir der junge Gärtner.

Hernach wird der durchsichtige Deckel wieder zurückgeschwenkt und auf seinen zwei Nägeln festgesteckt. Prinzip leichte Dauerlüftung.

Die Flüssigkeit im Kronkorken verdampft und legt sich als leichter Kondenzschleier auf Moos und Innenwände des Treibhäuschens. Dies, so mein Sohn, ist die beste Art, Moos zu bewässern. Es dankt mit üppigem Breitenwachstum.

Mein Sohn sieht derzeit vor lauter Moos den Garten nicht mehr. So ist ihm entgangen, dass nicht nur die letztjährige G.-Einbürgerung gelungen ist. Heimlich und unbeachtet wanderten fremde Gänseblümchen-Truppen über die nachbarlichen Grenzen ein oder ließen sich möglicherweise von Vögeln einfliegen.

Beim Rasenmähen laufe ich ja regelmäßig die Grünfläche ab und zählte jüngst (mindestens) acht Gänseblümchen-Populationen, die sich ihres Lebens bei uns erfreuen.

Es mag befremden, ich ziehe tatsächlich die Blumenkinder den Moosplacken vor. Deshalb freue ich mich herzlich über die neuerlichen Gänseblümchen im Rasen. Sie sehen so niedlich aus, wenn sie zum Schlafen und auch bei Regen ihre rosa Kelche schließen!

Übrigens scheinen sie doch recht verpennt zu sein. Was sehe ich heute morgen um 8:30, als ich mit den Hunden übers Gras schlendere? Immer noch zugezogene Gardinen bei den Zwergen:

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So was muss man doch lieb haben. Ich fange wohl erst an zu zupfen (oder zu verpflanzen), wenn sie Anstalten machen, den Gemüsegarten zu übernehmen.

Es mag das Gänseblümchen-Imperium!

Antje Ortmann

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