Ein lauschiges Plätzchen

On 9. März 2013 by admin

09.03. 2013 –

Wer will das nicht – ich habe heute dran gearbeitet.

Erstmal sortierte ich den Weidenschnitt, die freundliche Spende des Nachbarn, in vier handliche Rutenhaufen verschiedener Rutendurchmesser. Am Himmel braute sich, von mir völlig ignoriert, ein Lüftchen zusammen.

Ich zog mir meine braune Wollmütze tiefer in die Stirn, dann vier lange, entastete Stöcke aus dem Haufen dritter Ordnung, verzwirbelte sie Kopf an Kopf, sicherte sie mit etwas Draht und bog sie zu einem Bogen um.

Die Flocken stoben bereits dicht aus Nordost, als ich mit ein wenig Mühe – die Finger froren mir allmählich an den eiskalten Weidenstämmchen ein – einen Querstab anbrachte, der die elegant-flache Bogenwölbung fixieren sollte.

Dann hob ich zwei Pflanzlöcher mit ein wenig Abstand parallel zur Grenzhecke aus. Die Erde war frostfrei und offen und ich beförderte mit großem Bedauern gleich mehrere Regenwürmer an die Schneeluft.

Erschreckt schnappten die armen Dinger nach Luft, als sie mich erspähten/erhörten/erspürten. Ich war mittlerweile komplett weiß eingeschneit und bot einen schrecklichen Anblick. Eine Yetifrau auf der Suche nach ihrem Mittagessen. Ich warf die Würmer gleich in die aufgelockerten Löcher zurück in der Hoffnung, dass sie ihre Freilegung vielleicht doch überlebten und ihren Enkeln noch etwas Spannendes zu erzählen hätten.

Dann stemmte ich den neuen Bogen, dessen Enden ich noch einmal mit einer Astsäge frisch beschnitten hatte, in die Löcher. Mein Söhnchen hatte die Plackerei durch die Terrassentür beobachtet und kam eingemummelt dazu, um mir den Bogen festzuhalten. Zwei Yetis beim Schneehöhlenbau.

Ich schüppte schnell Erde um die Pfähle, dann eilten wir zwei zum Auftauen in die häusliche Wärme.

Eine halbe Stunde später sah man mich wieder im Schneesturm stehen.

Ein zweiter Bogen entstand und wurde von mir eigenhändig und in großzügigem Abstand zum ersten im rechten Winkel in die Erde versenkt. Keine Hilfe diesmal, Söhnchen war auf und davon zu einem Freund und erfreute sich vermutlich fremder Herdwärme.

Nun soll ich ein Foto von allem zeigen? Wie in einem Schneesturm? Ich habe eines versucht. Ob aber irgendetwas zu erkennen ist?

Ich sag trotzdem mal, was ich mir vorstelle, wenn endlich einmal der Frühling ausgebrochen ist:

Zwei schlanke Weidenflechtbögen umspannen locker ein kleines lauschiges Eckchen vor einer niedrigen, saftiggrünen Buchenhecke. An den schokoladenbraunen Bogenstämmchen sprießen silberweiße, flaumweiche Weidenkätzchen. Erste, dünne Weidenschösslinge bringen vom Wind weichgezeichnete Kontur in den Garten.

Sonne flimmert durch sie hindurch und scheint auf das frühlingsfrische Gras. Hier liegt eine karierte Wolldecke. Ein Picknickkörbchen steht dicht daneben und lädt zum Gartentee ein, an einem der ersten warmen Tage im Jahr.

Bienen summen, Vögel tirillieren und die Krokusse unter der nahen Hecke leuchten mit dem blauen Himmel um die Wette.

Lauschig, nicht? Wir werden ja sehen.

Sehnsüchtig, Antje Ortmann

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