Grundsätzliches zu Neujahr

On 31. Dezember 2012 by admin

Warnung:

Es könnte sein, dass ich bis zum Abend noch einmal richtig sauer werde.

 

31.12. 2012 –

Habe gerade die Neujahrsberliner beim Bäcker abgeholt und dann noch einmal die letzten Kleinigkeiten für unsere Silvester-Sause eingekauft.

Das war unüberlegt. Oder sagen wir blauäugig. Oder einfach nur dumm. Aber man muss auf der anderen Seite auch immer mal wieder seine Vorurteile überprüfen. Nennen wir es also doch lieber “Feldforschung”. Hier meine Ergebnisse zu vielen Fragen, die am heutigen Tag besonders interessieren:

Frage 1: Wer um Gottes Willen kauft noch am 31.12. ein?

  • TAUSENDE
    • alte, verwirrte Leute
    • Familien mit kleinen Kindern
    • Leute auf Krücken
    • Penner
    • Psychopathen

Frage 2: Wie bereiten sich die Geschäfte auf den Run vor?

  • ABSPERRBÄNDER; BARRIEREN; MITARBEITER-TRAINING
    • Um der Menschenströme Herr zu werden, teilt man die Flut wie einstmals Gott das Rote Meer in Einkäufer und Abholer. Das bereitet den Bereits-In-Vorleistung-Getretenen einen kleinen Triumph und Zeitvorteil, wirkt läuternd auf die lieber spontan kaufende Masse und verschafft wenigstens einigen Mitarbeitern kleine Atempausen.
    • In den Supermärkten lässt man prinzipiell nur die Hauptgänge barrierefrei. In die Nebengänge stellt man lieber Paletten, sodass nur Körbchenträger weiterkommen. Der Rest geht immer wieder zurück über LOS und zieht dabei auf keinen Fall Gehalt ein.
    • An den Kassen ist nun die große Stunde der AZUBIS. Langjährige Mitarbeiter wussten, was an diesem Tage blüht. Sie haben sich deshalb vorsichtshalber lieber Urlaub genommen und schlürfen möglichst weit weg vom Arbeitsplatz, zum Beispiel in der Karibik, Cocktails. Zuhause an den Kassen sitzen jetzt die zitternden, den Tränen nahen Neulinge, die die Preise und die Tücken des Kassensystems nicht kennen und deshalb einen hochroten Kopf haben und schwitzen.
    • Zum Amüsement der Schlangestehenden schieben nette Mitarbeiterinnen Erfrischungswagen durch den verstopften Gang: “Möchten Sie etwas trinken?” Leider steht im Wagen nur Wasser, der hochprozentige Nerventröster bleibt im Regal. Also greift keiner zu, sondern lächelt nur gequält, während er sich als Ausweichmaneuver in die Regale drückt.

Frage 3: Wie gehen Einkaufende mit der überfüllten Situation um?

  • GEDÄCHTNISAUSFALL, BESINNUNG AUF ALTE WERTE, WERTEVERLUST
    • Vor den Regalen wissen viele Leute doch nicht mehr, was sie eigentlich hier wollten. Man geht in sich, denkt über den Sinn des Lebens nach, wer vor einem da war, wer nach einem kommt. Man verschanzt sich hinter dem quergestellten Einkaufswagen und lässt niemanden an die Schätze, die sich dahinter verbergen, vielleicht will man sie ja selbst, wenn man sich endlich erinnert hat.
    • Familien feiern bevorzugt im Hauptgang glückliche Wiedervereinigungen. Auch Freunde begrüßt man hier gern und nutzt die Gelegenheit zu ausführlichen Erkundigungen nach den Ereignissen der letzten Tage und Monate.
    • Wie beim Schiffsunglück oder auf vollen Autobahnen überkommt manche Menschen im vollen Markt der nackte Überlebenswille. Sie bemühen sich um einen möglichst guten Platz im Rettungsboot (an der Kasse). Was einigen wie eine zufällige und ungesteuerte Geisterfahrt gelingt, erkämpfen sich wieder andere durch aggressives Drängeln. Die vormals einreihige Warteschlange mutiert plötzlich zu einer Hydra mit vielen Enden, die alle von sich behaupten, der Hauptkopf zu sein.

Ich musste an die Schlachtszene aus dem letzten Film von “Herr der Ringe” denken. Theodén, König von Rohan schaut auf Minas Tirith und die anbrandenden Ork-Heere, die alles niedermähen. Nun heißt es kämpfen! Er ruft:

Gamling, folge des Königs Banner in der Mitte! Grimbold, führe deine Schar nach rechts, wenn ihr an der Mauer vorbei seid! Vorwärts! Und fürchtet keine Dunkelheit! Auf! Auf, ihr Reiter Théodens! Speer wird zerschellen, Schild zersplittern! Ein Schwert-Tag! Ein Blut-Tag! Ehe die Sonne steigt!

(reitet die vordere Reihe entlang und lässt sein Schwert an den Speeren klappern) Reitet! Reitet nun! Reitet zur Vernichtung und zum Ende der Welt! Tod!

Rohans Soldaten:

Tod!!!

(Zitat aus dem Film “Herr der Ringe, Die Rückkehr des Königs”)
Tja, so wars. Habe mich mit zwei Orks angelegt. Aber nächstes mal lieber nicht am 31.12. einkaufen. Das schont die Nerven!
Antje Ortmann

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